Learning Nuggets: Bereit für den digitalen Klimawandel in der Ausbildung?

Die Informationstechnologie spaltet die Menschheit unbarmherzig in Digital Natives und Digital Immigrants (solche die sich erst im Erwachsenenalter  IT Wissen aneignen). Aber wenn wir an die Schulausbildung denken, existiert diese Zwei-Klassen Gesellschaft nicht wirklich. Die Lernmethoden haben weder in der Primar- noch in den höheren (Fach-)Schulen oder Universitäten in den letzten Dekaden wesentlich geändert. Das sind gute Nachrichten: wir sitzen doch alle im denselben Boot! Mit den starren Lehrplänen ist ohnehin niemand glücklich und die Zeiten der stereotypen Aufforderungen „schlage das Buch auf Seite 27 auf und löse die nächsten 10 Aufgaben“ sind endlich vorbei. Die klassische Schule bereitet uns zwar gut auf die Vergangenheit vor, aber viel zu wenig auf das Heute und Morgen.

Der Wechsel in den Schulen zu einem individuellen Stundenplan ist zwar vielerorts ein Thema, aber es wird wohl noch etwas länger bis zur flächendeckender Umsetzung dauern. Glück hat, wer die Schuljahre hinter sich hat – das tönt nach Vorteil für die Digital Immigrants! Geniessen wir die Freiheit, dass wir lernen können wann und wo wollen zu Themen, die uns im Moment gerade interessieren. Die zunehmende Digitalisierung des Wissens[1] öffnet uns effizientere und wirksamere Wege für die Wissensvermittlung. Modularisierung in kleineren Lerneinheiten ist Zauberbegriff für erfolgreiches Lernen – ganz spontan und ortsunabhängig, zum Beispiel wenn der Zug unerwartet Verspätung hat und man zur Überbrückung der Wartezeit am Bahnhof einen PodCast  schaut, wie man Stress mit Atemübungen kontrollieren kann :-).

Die zunehmende Fülle an digitalen Informationen, die uns via Internet zur Verfügung stehen wird unser Lernverhalten revolutionieren, genauso wie Amazon den Handel oder iTunes die Musikindustrie.

Der eine mag sich vielleicht das Wissen immer noch lieber traditionell durch das Lesen von Büchern und Hören von Vorträgen aneignen. Viele empfinden das aber zunehmend als unsoziale und langweilige Art des Lernens. Spannender ist die Wissensvermittlung in [virtuellen] Gruppen oder gar anhand von Spielen – beim letzterem geht dank des Spassfaktors sogar oft vergessen, dass man gerade am „Lernen“ ist. Mit “Minecraft” lernt man zum Beispiel, wie in einer komplexen Welt mit Ressourcen umgegangen werden kann – und das auf spielerische Art und erst noch ohne der Welt zu schaden.

Zukunft hat auch das invertierte Lernverhalten: der Lernstoff wird individuell im eigenen Tempo erarbeitet; in den virtuellen Gruppen kann man dann die noch offenen Fragen mit Gleichgesinnten diskutieren und die eigenen Lösungen/Denkansätzen mit den Kollegen vergleichen. Die kostbare Präsenzzeit gemeinsam mit der Lehrperson wird für praktische Übungen genutzt.

Digital Natives, die noch die Schulbank drücken müssen, werden sich wohl oder übel noch eine Weile mit starren Ausbildungsplänen herumschlagen müssen, aber alle anderen haben die Möglichkeit die eigene Aus- und Weiterbildung selbstständig über das Internet „on demand“ zu einem beliebigen Thema anzugehen. Der digitale Ausbildungs-Klimawandel – im Gegensatz zum klimatischen – birgt keine Gefahren in sich, sondern nur Chancen. Aber nur wer sie nutzt, nützt es!

Wie seht ihr das? Wir freuen uns über eure Rückmeldungen auf der CoLearning-Plattform. [2]


[1] Wie zum Beispiel auf unserer öffentlichen Learning-Plattform: http://Co-learning.org

[2] Learning-Nugget Forum: habt ihr Anliegen, Vorschläge oder Rückmeldungen zu dieser Kolumne? Wir haben dazu eigens ein Forum eingerichtet: https://co-learning.org. Bei der Erstregistrierung führt der Enrolment-Key L-Nugget direkt zum Forum.