Ältere Leute sind ohne Computer und Internet aufgewachsen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es einen digitalen Graben zwischen heute noch Berufstätigen und der Generation der Pensionäre gibt. Besonders die älteren Menschen ab 75 Jahren nutzen digitale Technologien (noch) selten, wie Studien in der Schweiz [1] undDeutschland [2] zeigen.

Neben der Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, spielt auch die zunehmende Isolation im Alter eine Rolle. Im Gegensatz zur heutigen Generation der Digital Natives ist die Berührungsangst gegenüber digitalen Medien mit zunehmendem Alter deutlich höher.

Bedeutet dies, dass ältere Menschen nicht von der digitalen Welt profitieren können? Gehören sie wirklich schon zum „alten Eisen“? Oder gibt es digitale Chancen, die ihr Leben nachhaltig verbessern könnten?

Die genannten Studien zeigen auf, dass durch eine unterstützende Begleitung teilweise ein Abbau der Berührungsängste erreicht werden kann. Es muss jedoch festgehalten werden, dass dies keine Langzeitstudien sind, die Schlüsse auf eine dauerhafte intensivere Nutzung digitaler Dienste erlauben würden. Umso lohnender ist die Erfahrung die eine christliche Glaubensgemeinschaft gemacht hat, die innert der letzten 10 Jahre zunehmend von gedruckten Inhalten auf digitale umgestellt hat. Dabei werden bibelerklärende Schriften in fast 1000 Sprachen online zur Verfügung gestellt. Apps für mobile Geräte erschließen neben der Website die digitalen Inhalte.

Das Interessante an diesem Fall ist der Umfang des Einbezugs der alten Generation an Gemeindemitgliedern. Fast 90 Prozent der älteren Generation (im Alter zwischen 65 und 90 Jahren) nutzen Tablets mit den Apps regelmäßig. Dabei werden nicht nur Dokumente gelesen, sondern auch Multimedia-Dateien, wie Fotos und Filme genutzt, sowie Notizen gemacht. Auch wird regelmäßig auf Internet-Inhalte zurückgegriffen, wie z.B. Worterklärungen.

Die Gemeinden sind in Zirkel aufgeteilt, in denen die Mitglieder über WhatsApp kommunizieren. Dabei werden bewusst auch die Betagten involviert, indem Abmachungen getroffen werden und die Betreuung ebenfalls über diese Plattform läuft.

Einen signifikanten Anteil an der Integration der alten Generation haben besonders die Jungen in der Gemeinde. Sie helfen beim Update der Applikationen, beim Auffinden der Inhalte und beim Runterladen, für diejenigen, die zu Hause keinen Internet-Zugriff haben. Diese Unterstützung muss nicht ausdrücklich organisiert werden, sondern ergibt sich aus dem Gemeinschaftssinn der Gemeinde.

Die positiven Auswirkungen auf die Betagten Glieder der Gemeinde sind auch außerhalb des religiösen Kontextes spürbar: Die Nutzung von weiteren Applikationen (der Fotofunktionen, von Kalendern und der eigenständigen Nachforschungen im Internet, um nur einige zu nennen) fällt deutlich leichter. Zum Beispiel wird geschätzt, dass digitale Texte besser lesbar sind, da das abnehmende Augenlicht durch Vergrößerung der Schrift, zumindest teilweise, kompensiert werden kann. Zusätzlich wurde die Möglichkeit geschaffen, das Bettlägerige oder Kranke von zu Hause aus am Programm der Gottesdienste teilnehmen können, in dem sie live zuhören, Aufzeichnungen anhören oder direkt per Telefon Kommentare geben können.

Diese zunehmende Sicherheit im Umgang mit digitalen Inhalten hat auch einen deutlichen „Schneeball-Effekt“. Ältere Gemeindemitglieder, die digitale Inhalte und Geräte fleissig verwenden, wecken in ihrer Altersklasse Begehrlichkeiten, weil offensichtlich wird, dass es im Alter möglich ist, den Anschluss nicht zu verpassen.

Aus dieser Fallstudie lässt sich gut ableiten, dass man im Alter nicht außen vor bleiben muss, wenn es um die Nutzung von digitalen Inhalten geht. Im Gegenteil ist eine Verlängerung der aktiven Teilnahme am sozialen Geschehen möglich, welche der Isolation und der mangelnden Stimulation von Gedächtnis und mentalen Fähigkeiten vorbeugt. Die junge Generation der Digital Natives spielt dabei eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die ältere Generation auf die digitale Reise mitzunehmen.

Konntest Du auch Erfahrungen mit dem Einbezug von älteren Mitmenschen in die digitale Welt machen? Dann diskutiere mit uns darüber im entsprechenden Forum. [3]

 

[1] https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/116078/1/Studie-Digitale-Senioren-2015.pdf

[2] https://digital-mobil-im-alter.de/assets/includes/sendtext.cfm?aus=11&key=1492

[3] Learning-Nugget Forum: habt ihr Anliegen, Vorschläge oder Rückmeldungen zu dieser Kolumne? Wir haben dazu eigens ein Forum eingerichtet. Bei der Erstregistrierung führt der Enrolment-Key L-Nugget direkt zum Forum.