Endlich – keine langweilige Routine mehr, keine Fleißarbeit mehr, und nie wieder mühsam etwas lernen! Endlich – die Digitalisierung breitet sich aus, die künstliche Intelligenz wird immer findiger und bald können wir den Alltagstrott und die Mühen unseres Daseins den Robotern überlassen. Endlich – nie wieder aus den Ferien heimkommen und nie wieder an die Arbeit zurückkehren.
Ich erwache ruckartig aus dem Tagtraum – ist das wirklich das Paradies auf Erden oder einfach der End-Urlaub-Frust? Oder ist es gar ein mögliches Zukunftsszenario?
Sind denn die Roboter schon so weit, dass sie uns die Mühen des Alltags abnehmen können? Können die Roboter denn schon den Menschen ersetzen?
Nun ja, für GBP 1’500 können wir Pepper erwerben – einen smarten japanischen Roboter, der uns die Altenpflege abnehmen soll oder unsere Babys sitten.

Würden Sie Ihr Baby – dieses allersüßeste Geschöpf auf Erden – ihm überlassen? Oder in ein paar Jahren selbst von ihm betreut werden wollen?

Mein Baby – niemals! Ich selbst … je nach Gebrechen wäre mir das vielleicht sogar lieber…
Noch lernt der Roboter ja das Pflegehandwerk, und er wird rasch besser.

Nun, meinen Beruf wird er nicht wegrationalisieren. Schließlich braucht es ja ein Hochschulstudium, um Computer zu programmieren, nicht wahr? Oder eben nicht mehr lange, siehe Deep Coding oder wie die Computer lernen, sich selbst zu programmieren.

Na ja, programmieren ist ja eigentlich auch eine Routinetätigkeit, dann werde ich halt Autorin und verfasse Best-Sellers. Kreativität und menschliche Sprache, das können nur wir Menschen. Weit gefehlt – das ist ein sehr aktives Forschungsfeld: Im Callcenter wird uns zunächst ein Roboter – also ein Bot – antworten und bei Standardfragen weiterhelfen. Wenn die Bots das dann perfekt beherrschen, dann werden sie auch beginnen, Romane zu verfassen. Und es wird nicht lange dauern und die Romane werden sogar einen Spannungsbogen haben und wir werden sie kaufen und lesen.

Das selbstfahrende Auto gibt es ja schon – (endlich: nie wieder rückwärts einparken) und die kriegsführende Drohne gibt es auch schon. Auch die Drohne, welche andere Drohnen zerstört (endlich: nie wieder in den Krieg ziehen – das überlassen wir getrost den Drohnen).

Die Bots können schon bald miteinander reden und die Bots können dann gegenseitig ihre Bücher lesen. Die Roboter können sich auch gegenseitig pflegen, pardon – reparieren, und vielleicht werden die Roboter dann auch Ferien machen wollen. Und da werden wir sie wieder treffen und uns anhören, wie sie sich über die Routine im Alltag beklagen. Wir haben ja keinen Alltag mehr und geniessen längst den Dauerurlaub.

Ich schrecke hoch (schon wieder). Das ist ja Horror – wo soll das enden?
Kein Problem, meint Jürgen Schmidhuber, der als Vater der modernen Künstlichen Intelligenz gilt, – die Roboter werden sich für die Menschen nicht mehr interessieren, als dass die Menschen sich für ein Zebra interessieren. Eine andere Spezies halt. Und dann werden die Roboter den Planeten verlassen. Und dann werden wir endlich Ruhe haben, der Alltag wird wieder einkehren und wir werden dafür sorgen müssen, mit unserer kostbaren Lebenszeit doch etwas Sinnvolles anzufangen.

Ob wir einen Learning-Nugget hätten, jetzt mitten in der Sauregurkenzeit? Eigentlich nein. Ich begebe mich zurück in die Ferien, schmiere noch etwas Sonnencreme ein und räkle mich in der Sonne, gebe Pepper ein Zeichen und er bringt mir einen weiteren Drink an den Pool. Dauerferien – herrlich! Lernen tue ich nach den Ferien wieder (freue mich schon drauf).