Online unterrichten – Die Vorbereitung

Die Vorbereitung einer Online-Lektion unterscheidet sich in Bezug auf den Inhalt nicht von der Vorbereitung einer Präsenz Lektion. In Bezug auf die didaktischen Mittel richtet man sich als Trainerin oder Trainer nach den zur Verfügung stehenden Materialien und Funktionen. Dieser Blog-Post verrät einige Tipps aus langjähriger Praxis.

Die zu erreichenden Lernziele stehen im Zentrum der Vorbereitung einer Lektion, ganz unabhängig davon, in welchem Rahmen diese durchgeführt wird.

In Bezug auf die Didaktik können verschiedenste Methoden eingesetzt werden. Diese reichen von einer reinen Vorlesung bis hin zum “Flipped Classroom”. 

Reine Vorlesung

Die reine Vorlesung ist am einfachsten auf eine online Veranstaltung umzustellen. Statt dass die Lehrperson vor der Klasse steht und einen Monolog hält, sitzt sie jetzt vor dem Laptop oder PC und hält dort ihre Rede.

Soll der Vortrag von einer Folienpräsentation unterstützt werden, dann kann dieser als Screencast aufgenommen werden. Dazu existieren eine Vielzahl von Werkzeugen – kostenlose und kostenpflichtige, Programme, die auf dem Laptop installiert werden oder auch Programme, die als Cloud-Service zur Verfügung stehen.

Wird während des Vortrags ein Inhalt auf dem Whiteboard entwickelt, dann kann auch dieses Format in die Online-Welt übertragen werden. Technische Voraussetzung ist ein Laptop mit einem Touchscreen und einem passende Pen. Die Aufzeichnung erfolgt ebenfalls per Screencast. 

Reine Vorlesungen eignen sich besonders gut dafür, sie im Vorfeld aufzuzeichnen und den Teilnehmenden als Video zur Verfügung zu stellen. Der Vorteil für die Teilnehmenden liegt auf der Hand: sie können den Lerninhalt zeit- und ortsunabhängig “konsumieren” und sooft wiederholen, wie sie möchten. Das ist sozusagen der Dozent mit der Stopptaste – bestimmte Stellen des Vortrags können wiederholt angehört werden. 

Vorlesungen mit Interaktion

Die Interaktion mit den Teilnehmenden verlangt der Lehrperson mehr ab, als der reine Vortrag. Dasselbe gilt, wenn dieses Format in die Online-Welt übertragen wird. Anders als im Unterrichtsraum gibt es online mehr Möglichkeiten.

Asynchrone Kommunikation

Auch wenn der Screencast oder der Vortrag als Video zur Verfügung gestellt wird, braucht der Teilnehmende nicht auf die Interaktion mit der Lehrperson zu verzichten. Diese kann per E-Mail erfolgen. Doch diese Art der Kommunikation ist anstrengend, löst sie doch bald eine E-Mail-Flut aus, gerade auch dann wenn alle Teilnehmenden in den Verteiler aufgenommen werden.

Einfacher und zielführender ist es, in diesem Fall ein Learning Management System einzusetzen, oder eine ähnliche Plattform, auf der ein Forum betrieben werden kann. Die Teilnehmenden stellen die Fragen im Forum, andere Teilnehmende und selbstverständlich auch die Lehrperson beantworten die Fragen. Die Fragerunde wird aufgezeichnet und bleibt allen zugänglich.

Webinare

Webinare sind die online Form eines Seminars. Der Vortrag wird in der Webinar-Plattform durchgeführt und die Teilnehmenden schauen gleichzeitig zu. Die Folienpräsentation wird wie gewohnt erarbeitet und vor dem Webinar auf die Plattform hochgeladen. Sie kann dann mit den entsprechenden Funktionen des Webinarraums allen gezeigt werden, während die Präsentatorin oder der Präsentator dazu spricht.

Whiteboard – die online Wandtafel

Eine Webinar Plattform bringt auch ein Whiteboard mit. Dieses kann genutzt werden, um darauf zu zeichnen. Dazu braucht man einen Laptop mit Touchscreen und passendem Pen.

Screen sharing

Je nach Inhalt, der gelehrt werden soll, ist es praktisch, wenn die Teilnehmenden auf den Bildschirm der Lehrperson schauen können. Eine gute Webinar Plattform verfügt über die Möglichkeit, den Bildschirm zu teilen.

Die non-verbale Kommunikation ersetzen

Findet der Vortrag in einer Präsenz Lektion statt, dann kann sich der Vortragende auf die non-verbale Kommunikation der Teilnehmenden verlassen. Von der interessierten Zuhörerin, über fragende Minen bis hin zum Teilnehmer, der E-Mail checkt ist ja alles zu beobachten und gibt den Vortragenden Feedback.

Diese non-verbale Kommunikation ist in online Klassen erschwert, gerade auch dann, wenn nicht alle Teilnehmenden die Webcam einschalten.

Dennoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, Feedback abzuholen. Zu Beginn des Webinars teilt man als Trainerin oder Trainern mit welche, Möglichkeiten bestehen. Am besten bereitet man eine Folie vor, die zu Beginn im Präsentationsbereich gezeigt wird. So wird sichergestellt, dass alle Teilnehmenden diese wahrnehmen.

Beispiel:

Falls Sie Fragen haben:

  • Schreiben Sie die Frage in den Chat
  • Stellen Sie das Mikrofon an und stellen Sie die Frage
  • Melden Sie sich mit dem Melde-Feature

Interaktion der Teilnehmenden mit dem Mikrofon setzt voraus, dass dies zu Beginn getestet wird (siehe auch Online unterrichten – Teilnehmer an Bord holen). Diese Möglichkeit ist geeignet für kleine Gruppen. Bei Großgruppen ist mit häufigen Unterbrechungen zu rechnen. Falls man dies als Trainerin oder Trainer nicht wünscht, dann stellt man diese Möglichkeit einfach nicht zur Verfügung und lässt die Teilnehmenden in den Chat schreiben.

Viele Webinar-Plattformen enthalten auch eine Schaltfläche, mit der die Teilnehmenden  virtuell die Hand heben können. Klickt jemand auf dieses Symbol, dann erscheint es in der Teilnehmerliste. Jetzt schaltet man für diese Person das Mikrofon frei und lässt sie Ihre Frage stellen. 

Der Poll

Mit vielen Webinar Plattformen können Polls abgesetzt werden. Dabei handelt es sich um kleine Umfragen unter den Teilnehmenden. Diese müssen vorbereitet und auf der Plattform erfasst werden. Zu gegebener Zeit schaltet man den Poll frei und gibt den Teilnehmenden die Möglichkeit, eine Antwort zu geben. Je nach technischen Möglichkeiten, kann die Antwort als Freitext eingegeben werden oder es wird ein Multiple-Choice-Formular entwickelt.

Diese Möglichkeit kann mannigfaltig eingesetzt werden. Beispiele:

  • Die Teilnehmenden kennen lernen: Woher kommen Sie, welche Vorkenntnisse haben Sie, was erwarten Sie von diesem Webinar.
  • Feststellen, ob der Stoff verstanden wurde: Dazu sind kleine Zwischenfragen vorzubereiten und als Poll zu erfassen. Damit werden die Teilnehmenden aktiviert und sie werden aufgefordert, einen Beitrag zu leisten, ein Feedback zu geben.
  • Umfragen machen: Was möchten Sie als nächstes tun?

Als Trainerin oder Trainer erhalten wir je nach Plattform mehr oder weniger komfortable Möglichkeiten die Ergebnisse des Polls einzusehen. Im besten Fall können die Ergebnisse anonymisiert veröffentlicht und den Teilnehmenden zur Verfügung gestellt werden. Auf manchen Plattform sind die Ergebnisse nur für die Lehrpersonen zu sehen. Es lohnt sich, die Plattform auch in dieser Hinsicht kennen zu lernen.

Flipped Classroom

Diese didaktische Form stellt höchste Ansprüche sowohl an die Lehrperson als auch an die Teilnehmenden. Gleichzeitig stellt sie diejenige Lehrform dar, mit der die Inhalte am nachhaltigsten vermittelt werden können. Hier das wichtigste in Kurzform:

Die Teilnehmenden erarbeiten die theoretischen Inhalte vor dem Webinar. Dazu stellt die Lehrperson ihnen Materialien auf einer geeigneten Plattform zur Verfügung. Dazu kann auch die Aufzeichnung einer reinen Vorlesung oder ein Screencast gehören.

Die kostbare Zeit während des Webinars wird dazu genutzt, die Inhalte gemeinsam zu diskutieren und in Workshops zu festigen. Dazu bereitet die Trainerin oder der Trainer geeignete Übungen vor. 

Hier eine Aufzählung von technischen Möglichkeiten:

In vielen Webinar Räumen können für die Teilnehmenden dieselben technischen Möglichkeiten freigeschaltet werden, wie für die Lehrperson.

Workshops finden am besten in Gruppen statt. Auch darauf muss man in Webinaren nicht verzichten. Viele (nicht alle) Plattformen bringen “Break Out Rooms” mit. Damit kann man die Teilnehmenden in Gruppen einteilen und gemeinsam arbeiten lassen. Dabei wird für alle das Mikrofon und die Webcam freigeschaltet. Jeder hat die Möglichkeit, auf das Whiteboard im Gruppenraum zu schreiben und jeder kann seinen Bildschirm teilen (Screen Sharing).

In kleinen Gruppen findet dann meistens eine lebhafte Interaktion statt. Vorausgesetzt natürlich, dass jeder über ein funktionierendes Mikrofon verfügt. 

Als Trainerin oder Trainer bereitet man die Aufgabenstellungen und auch die Gruppenräume (Break out Rooms) vor. Dort hinterlegt man die notwendigen Materialien, wie die Aufgabenstellung in Textform oder auch Files, die notwendig sind, um die Aufgaben zu erarbeiten. 

Damit ergeben sich mannigfaltige Möglichkeiten, eine Unterrichtslektion zu gestalten.  

Rhythmisieren

Wie auch für den Präsenzunterricht, wird man den Online-Unterricht rhythmisieren. Also eine ansprechende Abwechslung zwischen Vortrag und Interaktion vorbereiten. Das Vorgehen ist für beide Formen ein- und dasselbe. nur die technischen Möglichkeiten und Materialien unterscheiden sich.

Externe Tools

Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos, wenn wir noch die immense Vielfalt an Online-Kollaborationstools berücksichtigen. In der Vorbereitungs müssen wir das Werkzeug kennen lernen. Es soll geeignet sein, um das didaktische Ziel anhand einer passenden Fragestellung zu erarbeiten. Die Teilnehmenden müssen genug digitale Kompetenz mitbringen, um in der Lage zu sein, neben dem Webinarraum auch ein zweites Browser-Fenster zu bedienen ohne sich in den Weiten des Internets zu verirren.

Hier ein paar wenige Beispiele.

Für Brainstorming ist Etherpad gut geeignet. Bis zu einer gewissen Klassengröße ist das kleine und feine Tool auch kostenlos. Zur Vorbereitung erstellen wir das Etherpad und merken uns den Link dazu. Die gemeinsam zu erarbeitende Frage können wir gleich ins Pad schreiben. Die Pads bleiben noch eine ganze Weile erreichbar. 

Miro ist ein praktisches Tool zum gemeinsamen Entwickeln auf einem intelligenten Whiteboard. Als Vorbereitung erstellt man das Board und merkt sich den Link und erarbeitet die Fragestellung. 
Lust auf noch mehr Interaktion? Quizze, Umfragen, Feedbackrunden – stellt die Webinar Plattform die Möglichkeit nicht zur Verfügung, dann findet man eine Vielzahl von externen Tools, beispielsweise Mentimeter. Doch auch hier gilt: im Vordergrund steht, das didaktische Ziel zu erreichen. Das Werkzeug ist nur Mittel zum Zweck.

Auch Musik- und Kunstunterricht kann online durchgeführt werden. Der Kreativität sind keine Schranken gesetzt.

Der nächste Beitrag folgt in Kürze. Titel: Online unterrichten: Die Durchführung.

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